Judiths Notiz-Blog

München-Limerick

Damit hier auf dem Blog mal wieder was anderes passiert als Spam-Kommentare ein alter Limerick von mir, den ich wieder ausgegraben habe:

Es war ein Mann aus München
den wollten sieben andre lynchen.
In stockfinsterer Nacht
wurde die Tat vollbracht
nur die Flecken müssen sie noch übertünchen.

Ein bisschen blutrünstig, aber der Reim hat sich mir einfach aufgedrängt ;)

touchscreen

ein Anti-iPhone-Gedicht

touchscreen soll toll sein?!
auf dem display überall
fingerabdrücke!

Limericks

Weil ich gerade absolut nicht dazukomme, etwas Sinnvolles zu schreiben, kommt jetzt erst einmal etwas Blödsinn, und zwar ein paar Limericks, (die ich aber noch nicht überarbeitet habe):

es war eine frau aus niefern
die brauchte was zwischen den kiefern
sie hat pizza bestellt
ans ende der welt
doch dorthin können sie nicht liefern

zwei männer aus mühlacker
die schlugen sich sehr wacker
der eine aß quark
und wurde sehr stark
jetzt macht sich der andre vom acker

es war ne frau in vaihingen/enz
die fuhr nen nagelneuen benz
sie fuhr viel zu flott
und schon war er schrott
da sprach der schwob: “die reiche hend’s!”

Sonett, so oder so

Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs

Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
daß wer Sonette schreibt. Daß wer den Mut

hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, daß so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

darüber, daß so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.

Robert Gernhardt

meine eigene Meinung zum Sonett als Sonett gedichtet ist nicht ganz so deutlich:

sonett ist nichts für mich
das kann ich dir nur sagen
verzichte drauf zu klagen
ich find die reime nich

gedichte? meinetwegen!
ob haiku oder freier vers,
ob züchtig oder doch pervers,
da hab ich nichts dagegen.

nur wenn es um die reime geht
da stürz ich in ein tiefes loch
und alles ist verloren

nur manchmal packt’s mich doch
und ich fang an zu bohren
bis etwas wie das ding hier steht

heimliche Wunden / Schattengeister

ein Gedicht, das ich gefunden habe:

Es gibt Wunden, heimliche Wunden, du
Die heilen im Leben nimmermehr zu.
Wohl geht man einher mit frohem Gesicht,
Spricht wie die anderen mit lachendem Mund.
Und wähnt sich ganz und gar gesund;
Bis einer ja an der Wunde rührt
Und man das heimliche Brennen spürt.
Es gibt solche Wunden im Leben, du,
Die heilen nie – niemals im Leben zu.

dasselbe Gefühl, nur stärker, in einem Gedicht von mir:

“die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los”

warum rief ich?
ferne gedanken
wen rief ich, wozu?
bleiche, kalte gestalten
die mich bedrängen
ich rief um hilfe!
hilfe
es kamen nur schatten
schatten, die mich halten,
umklammern, festsetzen
und ich werde sie
nicht
los

die ersten zwei Zeilen sind ein Zitat aus Goethes “Zauberlehrling”

sehnsucht

laue sommernacht
der wind flüstert geschichten
sehnsucht ruft nach mir

sehnsucht nach freiheit
- frei zu fliegen, zu tanzen -
hält mich gefangen

Schule, elfte Klasse

das hier habe ich beim Aufräumen in meinen alten Schulsachen gefunden, das habe ich wahrscheinlich aus Langeweile in der elften Klasse geschrieben:

Die Welt ist grau
die Zeit schlurft durch die Gänge
in diesem Bau
es zieht sich in die Länge
ich will hier raus

das Leben altert
vergessen von der Welt
sie wollen Nutzwert
auch wenn es nicht gefällt
wann ist es aus?

es tanzt der Staub
ansonsten rührt sich nichts
sind wir denn taub
für Wörter des Gedichts,
den Sinn daraus?

in tiefem Schlummer
apathisch traumentrückt
mit jedem Kummer
wenn einfach nichts mehr glückt
in diesem Haus

ländliche Idylle

einsam zieht der bussard seine kreise
unter ihm wippt massenkonform der weizen
fern brummt die starkstromleitung
rauschen autos die landstraße hin und her
nichts rührt sich, nur ein schmetterling
kämpft flatternd mit hitzestarrer luft
weit und breit keiner, der seine schönheit sieht

brett vor dem kopf

während ich hier wieder sitze
und schon sehr am grübeln bin
hoffe auf die geistesblitze
habe nichts im hirn mehr drin

starre stumm auf dieses blatt
mir fällt einfach nichts mehr ein
und ich fühle mich so platt
wünschte, es könnt anders sein

die gedanken schweifen fort
dort hinaus in weite ferne
das hier ist ne sauerei

mir fehlt wirklich nur ein wort
ach, ich hätte es so gerne
doch ich komm nicht drauf -

zeit vorbei!

schwamm drüber?

ich fühle mich grau
mein gesicht: grau
meine hände: grau
meine kleidung: grau
mein leben wurde grau
mein reden: grau
mein lachen: grau
mein schweigen: grau

jemand nahm einen schwamm
und wischte drüber,
wischte drüber
bis alle farbe ausgewaschen war

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