Judiths Notiz-Blog

schneefelder

die welt ist öd in grau und grau
und auf den feldern liegt der schnee
ich starr ins nichts, ich weiß genau
vermissen wird mich keiner, wenn ich geh.

die flocken fallen monoton
die fußspur hinter mir verweht
es ist zu spät, ich weiß es schon
es ist wie immer: der verlierer geht

doch führt die straße nicht ins nichts
ein neuer anfang steht bevor
die landschaft: weiß, ein unbeschriebnes blatt

ich seh: zum kriegerfürst des lichts
wird jener, dem das herz gefror
ich hab die heucheleien satt

wegkreuzung

wegkreuzung
hier stehe ich und weiß nicht weiter
der wegweiser zeigt in alle richtungen einen weg
nur: wohin führt mich dieser?
in meinen ohren klingen die ratschläge
hallen wider in meinem kopf
so viele stimmen
so viele wege
welches ist mein weg?
jeder rät mir einen anderen
doch gehen muss ich ihn selbst
weiß nicht weiter
bleibe stehen
so viele möglichkeiten
so viele wege

[Jetzt kommen die ganzen Gedichte, die ich in der Abizeit geschrieben habe und keine Zeit hatte, zu bloggen.]

wie weit würdest du gehen?

wie weit
würdest du für deinen glauben gehen?
wie weit über felsige berge
der weg nur ein trampelpfad
und du barfuss bist?
wie weit in fremde länder
wenn du in deinem eigenen nicht glauben darfst
und rückkehr unmöglich ist?
wie weit unter fremde völker
und feindselige gegner
um ihnen zu erzählen…?
wie weit würdest du für deinen glauben gehen?
wo würdest du stehen bleiben?

der kassenzettel

text mit klarer aussage
ohne moral, wertneutral
edeka, 15. januar 2007
statt erhabener worte
banalitäten des alltags
eine packung klopapier
nichts von romantik
nichts von einsamkeit
zwei dosen ravioli
kein wort über sehnsucht
und auch über liebe nicht
zwei tafeln milka vollmilch
keine frage wird gestellt
keine theorie aufgestellt
eine kiste ensinger sport
es wird weder zitiert
noch philosophiert
zwei flaschen milch
nur von politik wird auch
der kassenzettel nicht verschont:
mehrwertsteuer 19%
macht 23,84

[Das Gedicht hab ich letzten Monat in der Rosenau geschrieben, auf der Rückseite eines solchen...]

lernen

berge von papier
vollgestopft mit wissen
zahlen, formeln, fakten, vokabeln
seite um seite
endloses datenmehr
mir raucht der kopf

ich verliere mich
irgendwo zwischen den seiten
wo man mich findet
platt und papiertrocken:
ein lesezeichen

Landschaftsgemälde

Weit weht Wind über Wiesen und Wälder
Wippend wogen wiegende Gräser sowie die Zweige der Weiden am Wasser.
Flink flitzen flutschige Fische im flüssigen Frisch.
Es rieselt über riesige Kiesel und
spritzt zu spitzigen Steinen.
Lang schwingt Tangbehang am Grund entlang.
Federleicht fliegen Vögel hinfort.

das Alphabet

Als Bei Chris Die Energie Fehlte, Ging Herbie In Jenes Kabuff, Las Meiner Nichte Ophelia Pedantisch Quellentexte, Redete Stundenlang Taktierend Und Verschwand Wo Xenophobe Yankees Zauderten.

Das Ganze noch mal rückwärts:

Zwei Yetis, Xylophonspieler, Wussten Vermutlich Ursprünglich Teile Seines Romans, Quatschten Privat Ohne Neuigkeiten Mit Leon, Kauten Jedoch Immer Hasenfleisch: Genug Für Eva, Die Connection Bereits Abzubrechen.

Ich liebe Blödsinn!

sprachlos

wenn…
das ist…
unbeschreiblich…
unbegreiflich…
das ist…
warum…
wie…
das ist…
was kann man sagen?
wortlos.
sprachlos.

mondfinsternis

mondfinsternis
ein schatten schiebt sich
unmerklich
über das um so heller strahlende
unaufhaltsam
weicht das licht
verschwindet ganz
vollmond rötlichgrau

ist es nicht so
wenn das leben dunkler wird
schattenhaft
wutrot alltagsgrau
dass sich etwas
unmerklich
zwischen dich und gott
unaufhaltsam schiebt
und schatten wirft?

(ohne titel)

in der nacht meiner seele bist du die wärme und das licht
im verwirrenden stimmengewirr sprichst du das wort, das trägt und mir den weg weist
versinke ich im meer meiner tränen, bist du das boot das mich trägt und der leuchtturm, der mir den hafen zeigt
bin ich zu müde, weiterzugehen, hältst und trägst du mich
was wäre ich ohne dich, herr?

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