Judiths Notiz-Blog

Armut in Afrika – Blog Action Day

Heute ist Blog Action Day 2008 mit dem Thema “Poverty”, also zu Deutsch: “Armut”. Deswegen musste ich diese Gedanken einfach noch heute loswerden.

Vielleicht klingt das ein bisschen weit hergeholt, wenn ich ausgerechnet über Armut in Afrika schreibe. Zuerst einmal ist das das typische Klischee – denk an die armen Kinder in Afrika! – das man so im Kopf hat, außerdem hilft es zum Beispiel einem Hartz-IV-Empfänger hier im Land ziemlich wenig, wenn man ihm sagt, dass es ihm doch immer noch viel besser geht als den armen Afrikanern. Ich will das auch nicht schönreden. Allerdings geht es uns wirklich etwas an, was am Ende der Welt im afrikanischen Busch passiert. Einerseits, weil der Flüchtlingsstrom aus Afrika einfach nicht weniger wird: Eine schwierige Reise mit ungewissem Ausgang ist immer noch besser als der sichere Tod durch verhungern. Andererseits haben wir als reiche Nationen uns das Problem selbst eingebrockt.
In Afrika werden sämtliche Rohstoffressourcen ausgebeutet, die Profite wandern in die entwickelten Industriestaaten. Wir kommen uns vielleicht wohltätig vor, wenn wir den Afrikanern Entwicklungshilfe geben, aber fragt sich eigentlich irgendwer, wieso sich der Kontinent denn nicht schon längst entwickelt? Wieso ging der afrikanische Wohlstand in den letzten Jahrzehnten immer weiter zurück, wenn die führenden Nationen dem Kontinent denn so viel nachhelfen? Die Antwort ist einfach: Schulden. Und es bringt auch nichts, wenn die G8 auf einem Gipfel beschließen, mit den Schulden einfach gut sein zu lassen, denn sobald einem afrikanischen Land sämtliche Schulden erlassen werden, fängt es sofort wieder an, neue aufzubauen. Das hat nichts mit den Afrikanern zu tun, sondern es liegt am System. Am ausbeutenden System, das die reichen Länder den armen aufgedrückt haben, damit sie wenigstens ein paar Profite aus den Entwicklungshilfekrediten erwirtschaften. Wieso sollten sie auch so freundlich sein und den Afrikanern etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu fordern? Nö, Profit muss sein, und das funktioniert wunderbar. Über sogenannte „Strukturanpassungsprogramme“ mussten sich afrikanische Länder für die Weltwirtschaft öffnen – zu Bedingungen, die die Industrieländer bei sich selbst nie im Leben durchgehen lassen würden. Inzwischen verhungern Afrikaner, weil sie für sich selbst keine Lebensmittel produzieren dürfen. Stattdessen wird nämlich zum Beispiel Kaffee angebaut. Und wo der getrunken wird, sieht man jeden Morgen. Oder der Viktoriabarsch. (Seht euch “Darwin’s Nightmare” an!)
Kurz, Afrika ist in Not, und es gibt genug internationale Firmen oder Interessen, die in Afrika einfallen und das Geld in die Tasche stecken, das dort für Krankenhäuser und Schulen fehlt.
Die Lösung: Lasst Afrika in Ruhe. Wenn alle afrikanischen Länder hohe Zollschranken aufbauen würden, dass keine internationalen Finanzhaie einschwimmen können, könnten die Afrikaner sich vielleicht wieder um sich selbst kümmern, anstatt in einer Art modernen Sklaverei dahinzuvegetieren.

Das war’s für heute. Wie versprochen einfach so dahingerotzt und nicht korrekturgelesen. Wahrscheinlich tropft die provokante Polemik auch aus jedem Satz, aber sei’s drum. Wer eine andere Meinung hat oder mehr wissen will, kann sich ja per Kommentar melden. Vielleicht lasse ich mich auch so noch mal drüber aus.

touchscreen

ein Anti-iPhone-Gedicht

touchscreen soll toll sein?!
auf dem display überall
fingerabdrücke!

Was ist missional nicht? – Mission, Religionsfreiheit und Toleranz

Nachdem der DoSi einen Aufruf von Rick Meigs zum SynchroBlog weitergegeben hat und auch selbst einen Beitrag dazu schreibt, nehme ich das einfach mal als Aufhänger meine eigenen, unqualifizierten Gedanken weiterzuverbreiten. Dabei will ich jetzt weniger auf die ursprüngliche Frage – was ist missional? – eingehen (weil ich davon sowieso nicht genug Ahnung habe), sondern das Pferd von hinten aufzäumen und ein paar Gedanken dazu loswerden, was missional (hoffentlich) nicht ist.

(WARNUNG! Könnte Polemik enthalten!)

Wenn von Mission die Rede ist, denken die Meisten immer noch an jemanden, der nach Afrika in den Busch geht, wo irgendwelchen unzivilisierten Buschleuten der Glaube und die Kultur gebracht werden muss. Da stellen sich viele natürlich die Frage: Wofür brauchen wir heute noch Missionare? Die Welt ist global vernetzt, wer sich für eine bestimmte Idee interessiert, kann sich frei informieren; und die westliche Einheitsbreikultur hat sich sowieso schon viel zu weit verbreitet, da muss man doch schützen, was es an lokaler Kultur noch gibt. Außerdem hat dieser Gedanke von dem Weißen, der zu den Schwarzen geht um ihnen zu zeigen “wie man es richtig macht” sehr viel von Imperialismus und Kolonien – kann man die armen Afrikaner denn nicht endlich in Ruhe lassen?

Noch schlimmer die Mission im eigenen Land: Irgendwelche Typen, die modisch mindestens ein, zwei Jahre zurück sind, stehen in der Fußgängerzone, singen Lieder zur leicht verstimmten Gitarre und treffen die Töne nicht immer, während sie Flyer verteilen auf denen Sätze stehen wie “Kehre um von deinen Sünden!”; kurz: die richtig peinlich sind.
Auf der anderen Seite jemand, der mit dem Glauben absolut nichts zu tun hat, der vielleicht denkt “Wer will, kann ja glauben, solange er mir damit nicht auf die Nerven geht” oder der von Religionsfreiheit eine vage Vorstellung hat wie “religionsfrei muss so ähnlich sein wie keimfrei”, also sollte man die Religion komplett aus dem öffentlichen Leben ins stille Kämmerlein verbannen.
Jetzt kommt der Missionierende auf den zu Missionierenden zu und fängt an, ihm seine Sünden vorzuhalten, ganz nach dem Motto “Dein ganzes bisheriges Leben war schlecht”, versucht, ihm mit der Holzhammermethode klarzumachen, dass er sich ändern muss, weil er sonst verloren ist und unbedingt in eine bestimmte Gemeinde/Kirche/Veranstaltung gehen muss, wenn etwas aus ihm werden soll. Was wird der Nichtchrist dann wohl denken?
Andererseits hat der Christ auch ein bestimmtes Bild von Mission und Sendung im Kopf: Er muss die Ungläubigen vor der Verdammnis retten, sonst sind sie auf ewig verloren! Also muss er mit Nichtchristen als allererstes über den Glauben reden und sie zu überzeugen versuchen, dass sie sich bekehren müssen, alles andere wäre verlorene Zeit.

Ich glaube nicht, dass Jesus, als er sagte “Geht hinaus in die Welt und macht zu Jüngern alle Völker” gemeint hat “Geht zu wildfremden Menschen, die möglichst noch eine andere Kultur und somit ein ganz anderes Weltbild und Verständnis haben, erzählt ihnen, dass sie sich euch anpassen müssen, koste es was es wolle, dass sie bisher alles falsch gemacht haben; ihr müsst sie nicht verstehen und wenn ihr andauernd in Fettnäpfchen tretet macht das auch nichts, wichtig ist nur, dass sie erfahren, was sie zu tun und zu glauben haben.” Es wäre sinnvoller, wenn man zuerst einmal versucht, den Anderen kennen zu lernen, ihn zu verstehen, und das, was er sagt, auch erst einmal stehen lässt, ohne zu sagen, dass das alles falsch ist, kurz:  seine Meinung toleriert. Im Gegenzug heißt das aber nicht, dass man die eigenen Ansichten hinterm Berg halten und immer nur nicken soll. Einfach zu sagen, “Du glaubst das und ich glaube das nicht, ich glaube das Andere”, ist vielleicht ein guter Ansatzpunkt, um wirklich mit jemandem über den Glauben reden zu können.

Ich fühl mich missverstanden

Bei zwei meiner Beiträge ( die Hand geben verboten vs. italienische Kirchen und (kein) Sex vor der Ehe ) gab es in letzter Zeit neue Kommentare. Die Kommentatoren fühlen sich wohl durch meine Meinung und Aussagen angegriffen oder was auch immer, und dementsprechend klingen die Kommentare für mich auch nicht sehr freundlich und objektiv.

Ich habe immer versucht, so gut ich konnte, meine Meinung, so wie ich denke, aufzuschreiben und zu begründen. Jetzt stören sich Leute daran, können aber nicht so ehrlich sein und mir direkt sagen, dass es sie stört, dass man vielleicht auch darüber diskutieren könnte, nein, die Kommentare sind unter Nicknames, an denen man die Person nicht erkennen kann, geschrieben worden. Da frage ich mich schon, ob diese Personen überhaupt über meine Meinung diskutieren wollen oder mich einfach nur in die Pfanne hauen bzw. fertig machen wollen.

Ich weiß, ich bin absolut nicht perfekt. Ich kann mich irren, kann zickig und unsachlich reagieren, kann Fehler machen – und so was kommt öfter vor als es mir vielleicht lieb wäre. Ich versuche, jeden zu akzeptieren, wie er ist, auch wenn es mir bei einigen Leuten sehr schwer fällt. Das gebe ich ganz offen zu. Und “Superchrist”, wie ein gewisser “Atheist” behauptet, bin ich nicht, und will ich auch nicht behaupten zu sein.

Ich will mich hier nicht rechtfertigen für meine Meinung, auch wenn ich finde, dass die Kommentatoren etwas kommentieren, das ich nicht sagen wollte. Bei dem ersten Beitrag habe ich meinen Glauben mit dem meiner muslimischen Mitschülerin verglichen, bin zu dem Schluss gekommen, dass unser Glauben sehr verschieden ist und dass mir persönlich mein eigener besser gefällt. Jemand anderes kann das meinetwegen gern anders sehen. Der zweite Beitrag war vielleicht wirklich ein bisschen unsachlich – jedenfalls war er das auf jeden Fall, bevor ich mich selbst zensiert habe und den größten Teil davon wieder gelöscht habe. Bei diesem Beitrag habe ich zwei verschiedene Sachen gemischt. Das eine war, dass ich finde, dass Religion – vor allem die christliche – nur gesehen wird als das, wo Sex vor der Ehe verboten wird. Bei jedem Kirchentag, worüber sie im Fernsehen berichten, ist die erste Frage, die einem Besucher gestellt wird: Stört es dich nicht, dass Sex vor der Ehe verboten wird? Mich kotzt das seit Jahren an, dass das Ganze nur so einseitig berichtet wird. Das andere war etwas anderes, das mich ebenso ankotzt, nämlich dass das Privatleben fremder Leute ausdiskutiert wird, ob sie wollen oder nicht.

Womit wir bei meinem Verständnis von meinem Blog angelangt wären. Ich stelle hier nur Sachen rein, die ich wirklich so unterschreiben und jedem sagen könnte, auch einem zufälligen Passanten, falls mich einer fragen würde. Das ist nach meinem Verständnis nicht “mein Privatleben öffentlich gemacht”. Privat sind für mich Dinge, die ich nicht jedem sagen würde, und sehr persönliche Dinge. Entschuldigung, aber ich werde mich hüten, so was hier reinzuschreiben. Man könnte allerhöchstens in meinen Gedichten eine Spur Privatleben finden, wenn man wollte.

Dann noch etwas, was mich an einem Kommentar aufregt. Dass Christentum mit Toleranz gleichgesetzt wird, egal was da toleriert wird, auch Intoleranz soll bitte toleriert werden. Da schreibe ich jetzt meine Meinung nicht dazu, vielleicht mache ich das in einem anderen Beitrag. Nur so viel: Ich bin ganz sicher nicht so tolerant, dass ich diese Intoleranz von ———- ——– ———— tolerieren werde ohne dazu etwas zu sagen!

(kein) Sex vor der Ehe?

Da hat man es mal wieder gesehen: Fragt eine meiner Klassenkameradin (die Spezialistin für literarische Beziehungen) meinen Deutschlehrer, warum Gretchen mit dem Faust schläft, obwohl sie doch so religiös ist, da müsste sie doch gegen Sex vor der Ehe sein. Auf meinen Einwand, dass Religion ja nicht hauptsächlich darin besteht, Sex vor der Ehe zu verbieten, hieß es gleich: Aha, jetzt hast du dich verraten, mit wem denn?
Äh. Gar nix hab ich. Erstens heißt das noch gar nix, wenn ich finde, dass Sex vor der Ehe keine wichtige Rolle in meinem Glauben spielt, zweitens würde ich so was ganz sicher nicht in der Schule rumerzählen – nicht so wie manche andere Mädels. Und Drittens geht das niemanden was an.

Was mich bei der ganzen Sache ankotzt, ist, dass Sex scheinbar zu den wichtigsten Dingen im Leben gehört; wer was dagegen sagt wird erst mal diskriminiert, und wer an Gott glaubt, hat schon gleich mal das fette negativ-Image und ist natürlich automatisch der gleichen Meinung wie der Papst – auch wenn man überhaupt nicht katholisch ist. Hallo? Ist das logisch??

Der Gipfel der Peinlichkeit ist, finde ich, in der Schule zu erzählen, dass man am Morgen noch mit seinem Freund geschlafen hat; oder die Diskussion über die Nacktbilder von einem Pärchen, die auf einer LAN-Party angeblich von jedem gesehen wurden… Ich will anderen Leuten nicht reinreden in ihre Beziehung, aber ich will doch auch nicht wissen, was die in ihrem Privatleben so treiben!

Ich halte es so, dass ich unter gar keinen Umständen mein Privatleben ausdiskutieren lasse. Ich weigere mich einfach, was zu sagen. Dafür bin ich für alle jetzt die Unschuld vom Lande, die sowieso von nichts ne Ahnung hat und deshalb auch dazu gar nichts sagen kann.

Schön wärs, wenn das Privatleben wieder privat wäre, und man nicht zwangsläufig irgendwelche intime Geschichten über seine Mitmenschen anhören müsste…

[das war jetzt unstrukturiertes abkotzen]

Bildungssprache

“Obwohl wir mit einer Vielzahl unterschiedlicher Formen religiöser Symbolsysteme konfrontiert werden, kann dennoch jenseits der damit einhergehenden Differenzen ein Gemeinsames im existentiellen Bezug auf das Heilige gefunden werden”

“Diese Definitionen werden im Allgemeinen durch eine transzendente Sakralisierung legitimiert, die mit einer Sanktionsmacht kosmischen Ausmaßes einhergeht”

“Die Nichtexistenz eines Verhältnisses zur geschichtlichen Ferne, das heißt, zur deutschen Geschichte jenseits des Bezugsereignisses Nationalsozialismus, das wird sofort evident, ist nicht das Resultat eines Willensaktes, der heute oder morgen revidierbar wäre, sondern ist eine Art mentales Apriori, eine zweite Haut bundesrepublikanischen Bewusstseins.”

“Die Auflösung der klassischen Rollenverteilung zwischen Kommunikator und Rezipient durch neue Technologien ist vor diesem Hintergrund ein besonders interessantes Phänomen.”

…nur um einige Originalzitate zu nennen…

da kann man ja nur noch Goethe zitieren:

“Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor”

Ist das Absicht, sich so auszudrücken, dass nur wenige auserwählte Gleichgesinnte das verstehen können, oder wollen die ganzen klugen Köpfe sicher gehen, dass nur ihresgleichen merken, was für einen Quatsch sie da verzapfen?!?

Ich bin Exhibitionist???

Heute hat jemand mit einer Pro-Datenschutz-Meinung in der Stuttgarter Zeitung einen Artikel über Blogs, Myspace und ähnliches geschrieben. Er meint unter anderem:

“Vor einem Millionenpublikum aus dem Nähkästchen zu Plaudern, ist zu einer alltäglichen Erfahrung geworden”

“Auf den Plattformen bei Flickr, Youtube und Myspace, in unzähligen Weblogs und Podcasts versammeln sich meinungsfreudige Selbstdarsteller und Wichtigtuer, die nicht die geringste Scheu vor einer öffentlichen Blamage erkennen lassen. Jeder Gedanke und jede noch so spontane Gefühlsäußerung werden darin umgehend veröffentlicht.”

“…bedarf es wenig Fantasie, um sich auszumalen, dass diejenigen, die etwas zu verbergen haben, künftig auf die Nennung ihres bürgerlichen Namens wohl verzichten werden. Alle anderen wollen mit ihrem Profil vermutlich Aufmerksamkeit wecken oder Selbstvermarktung betreiben.”

Das ganze vergleicht er auch mit Exhibitionismus. Sprich, ich bin ein Seelen-Exhibitionist und ihr seid also Spanner, wenn ihr lest, was ich für nen Quatsch von mir geb.

Äh. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass der Mensch, der das hier meint, keine Probleme haben dürfte, seine Meinung veröffentlicht zu kriegen, immerhin ist er Journalist. Bei mir sieht das anders aus, ich hab noch nicht mal Abi, wer will denn schon was von mir veröffentlichen. Dann meine ich lieber mal im Internet, da kommt das Ganze auch irgendwo an.

Mal abgesehen von den Leuten, die sich im Internet wirklich peinlich benehmen, (siehe Myspace sucks beim Dani), gibt es auch so Leute wie ich, die sich vorher überlegen, was sie schreiben und nicht einfach alles posten, was ihnen in den Sinn kommt (ich poste nur alles zweite, was mir in den Sinn kommt ;) ). Wer meint, ich blamier mich damit, kann das gern meinen, ich find das nicht. Außerdem, was ist so schlimm daran, andere an den eigenen Gedanken und Gefühlen teilhaben zu lassen? Schriftsteller, vor allem Dichter, tun das andauernd, und keinen störts. Es wird ja auch niemand gezwungen, das zu lesen.

Außerdem, auch wenn Millionen Menschen im Internet unterwegs sind, glaube ich nicht, dass ich, oder einer der meisten anderen Blogs, ein Millionenpublikum hat.

Effi Briest

Endlich sind wir in Deutsch mit dem Buch fertig! Seit Mai sind wir schon mit dem Buch beschäftigt (oder irre ich mich und es war März?). Und es ist nicht mal ein so gutes Buch, dass man es monatelang durchnehmen könnte, ohne dass es langweilig wird. Eigentlich gehts nur darum, dass alle Hauptpersonen so ziemlich alles falsch machen, was sie falsch machen können, nie konkret miteinander reden, jahrelang nichts passiert, und dann eine unglückliche Ehe geschieden wird, was aber alle Beteiligten noch unglücklicher macht, und dann stirbt die Hauptperson.
Das allerschlimmste an dem Buch ist echt, wie die Personen miteinander reden. Entweder über völlig belanglose Sachen oder einfach gar nicht. Nie stellt sich einer hin und sagt konkret seine Meinung, allerhöchstens werden Andeutungen gemacht, und unterbrochene Gespräche werden gar nicht erst fortgeführt. Wenn jemand in Wirklichkeit so reden würde… das wäre katastrophal! Wenn einfach keiner mal sagt, was Scheiße ist, dann geht es immer scheiße weiter, und wenn keiner sagt, was besser wäre, dann wird es auch nicht besser. Einfach mal klartext reden. Das wär’s.

Das Geständnis von Günter Grass und die Vertriebenenausstellung

Eigentlich hat das eine ziemlich wenig mit dem anderen zu tun.
Zufälligerweise kam zu beidem ein Artikel auf der gleichen Zeitungsseite, und weil es geregnet hat und ich im Urlaub eh sonst nichts zu tun hatte, hab ich die Zeitung ganz gründlich gelesen und mir dazu so meine Gedanken gemacht.
Jetzt hat Günter Grass also gestanden, dass er in der Waffen-SS war, und alle fallen über ihn her. Absolute Hysterie in den Medien, jeder gibt seinen Senf dazu. Wenigstens war er so ehrlich, seinen Dreck nicht vollends unter
den Teppich zu kehren (ist immerhin auch gute Werbung für sein Buch…) wie manche andere… der Mayer-Vorfelder war anscheinend auch kein unbeschriebenes Blatt in der Hinsicht… und vor allem war Grass erst 15, als er sich freiwillig gemeldet hat. Jetzt überlegen sie sich sogar, ob sie Grass seinen Friedensnobelpreis wieder aberkennen; aber den hat er für sein WERK gekriegt und nicht für sein Leben, und wenn man jetzt was über sein Leben rauskriegt, was unter aller Sau ist, dann ändert das doch an seiner Arbeit nichts… Gerade der gute alte Günter Grass als moralische Instanz hätte doch nicht… jammern manche, aber das kam erst hinterher, vielleicht hat der Mann einfach aus seinen Erfahrungen gelernt.
Dann die Vertriebenenausstellung. Eigentlich ist diese Ausstellung über Vertreibungen von Menschen oder Volksgruppen, egal wo, egal wann. Unter anderem gibt es da auch einen Teil über die Vertreibung von Sudetendeutschen  und Ostpreußen am Ende des zweiten Weltkrieges. Dieser Teil ist in etwa genau so groß wie alle anderen, etwa wie über Flüchtlinge beim Balkankrieg, obwohl die Deutschen die meisten Vertriebenen waren. In der Ausstellung soll es einfach um Vertreibungen und das Leid der Betroffenen gehen, Punkt. Und was wird jetzt in Polen kritisiert? Menschen, die die Ausstellung noch nicht einmal gesehen haben, meinen, dass “die Schuld Hitlerdeutschlands unter den Teppich gekehrt werden solle” (laut Südkurier). “Ein Portrait Adolf Hitlers würde man dort vergebens suchen, wird bemängelt, über die Urheberschaft werde nicht berichtet.” Äh. Aber das ist doch auch gar nicht das Thema der Ausstellung. Außerdem kann man doch inzwischen davon ausgehen, dass jeder davon Bescheid weiß, dass es Hitler gab und er den zweiten Weltkrieg begonnen hat und Millionen von Juden hat vernichten lassen. Man braucht uns nicht immer sagen, dass die Nazis böse waren. Wir haben es mitgekriegt. Aber es waren ja nicht nur die Nazis böse. In der Stuttgarter Zeitung kam paar Tage davor ein Artikel über Kommunistenverfolgungen in den 50er und 60er Jahren IN DER BRD. Heute weiß das kaum noch einer. Wenn da einer in einer Zeitung einen kommunistischen Artikel geschrieben hat, oder auch nur in einer kommunistischen Zeitung einen neutralen Artikel, musste er mit Folgen rechnen. Für Lehrer gab es Berufsverbot, manche wurden auch verhaftet und zu unverhältnismäßig hohen Haftstrafen verurteilt. Bloß weil sie ihre Meinung gesagt hatten. Manche haben bis heute keine Entschädigung erhalten. Wenn man da andauernd die Naziverbrechen hochhält, könnte man doch auch den Eindruck kriegen, dass alle andere Schuld unter den Teppich gekehrt werden soll. Verbrechen sind Verbrechen sind Verbrechen. Und die soll man doch bitte auch kritisieren dürfen. Egal, was für andere Verbrechen es da auch noch gab, die man jetzt vielleicht nicht im selben Atemzug nennen will, egal, was man im eigenen Leben selbst schon verbrochen hat (ist es ein Verbrechen, in der Waffen-SS zu sein? Angeblich hat er ja nicht geschossen oder sich an Verbrechen beteiligt). Wenn keiner seinen Mund aufmacht, dann können die Verbrechen ja immer weiter gehen.
Und wenn einer meint, das geht nur, wenn man auch ein Hitler-Portrait zeigt, bitte: http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/95005813/index.html

(für Hintergrundinfo: http://www.dhm.de/lemo/home.html)

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