Judiths Notiz-Blog

Wollen die uns verschaukeln?

Experten beklagen schon seit Jahren die schlechte Binnennachfrage in Deutschland. Die Leute kaufen einfach nichts mehr, und die Experten rätseln herum, was dafür die Gründe sein könnten und zerbrechen sich die Köpfe darüber, wie man die fehlende Kauflust wieder ankurbeln könnte (Heiko Sakurai am 4.12.). Und wir können sie ja auch absolut verstehen: Jedes Mal, wenn wir doch vielleicht mal uns aufraffen, einkaufen zu gehen, sind die Läden menschenleer. Einsam stehen die Verkäufer hinter der Ladentheke und warten darauf, dass sich vielleicht einmal doch noch ein Kunde in den Laden verirrt, und sobald er dann die Türschwelle überschritten hat, stürzen sie sich auf ihn und bieten ihm allen möglichen Service an. Der Kunde hat den Laden für sich alleine, und wenn er doch einmal auf einen anderen Kunden treffen sollte, dann ist das schon ein besonderes Ereignis. Damit auch ja kein Kunde verloren geht, sind alle Verkäufer immer zu jedem freundlich und alle Sonderwünsche werden auch nach Möglichkeit erfüllt.
Logisch, oder?

Und wenn wir dann im echten Leben einkaufen gehen, dann sieht auf einmal alles anders aus: Die Läden sind überfüllt, nicht nur jetzt zur Weihnachtszeit, sondern auch an einem beliebigen Werktagnachmittag unter dem Jahr, vor den Kassen bilden sich lange Schlangen und Verkäufer haben schon genug damit zu tun, die Kunden normal zu bedienen und können sich natürlich nicht um Service irgendeiner Art, ganz zu schweigen von Sonderwünschen, kümmern.
Da fragt man sich: gehen die Experten nicht einkaufen? Oder stehen die ganzen Leute nur zum Spaß in den Läden und kaufen eigentlich gar nichts? Oder produzieren die Firmen irgendeinen Mist, den keine Sau haben will? Oder wollen die uns nur verarschen?

Was ist missional nicht? – Mission, Religionsfreiheit und Toleranz

Nachdem der DoSi einen Aufruf von Rick Meigs zum SynchroBlog weitergegeben hat und auch selbst einen Beitrag dazu schreibt, nehme ich das einfach mal als Aufhänger meine eigenen, unqualifizierten Gedanken weiterzuverbreiten. Dabei will ich jetzt weniger auf die ursprüngliche Frage – was ist missional? – eingehen (weil ich davon sowieso nicht genug Ahnung habe), sondern das Pferd von hinten aufzäumen und ein paar Gedanken dazu loswerden, was missional (hoffentlich) nicht ist.

(WARNUNG! Könnte Polemik enthalten!)

Wenn von Mission die Rede ist, denken die Meisten immer noch an jemanden, der nach Afrika in den Busch geht, wo irgendwelchen unzivilisierten Buschleuten der Glaube und die Kultur gebracht werden muss. Da stellen sich viele natürlich die Frage: Wofür brauchen wir heute noch Missionare? Die Welt ist global vernetzt, wer sich für eine bestimmte Idee interessiert, kann sich frei informieren; und die westliche Einheitsbreikultur hat sich sowieso schon viel zu weit verbreitet, da muss man doch schützen, was es an lokaler Kultur noch gibt. Außerdem hat dieser Gedanke von dem Weißen, der zu den Schwarzen geht um ihnen zu zeigen “wie man es richtig macht” sehr viel von Imperialismus und Kolonien – kann man die armen Afrikaner denn nicht endlich in Ruhe lassen?

Noch schlimmer die Mission im eigenen Land: Irgendwelche Typen, die modisch mindestens ein, zwei Jahre zurück sind, stehen in der Fußgängerzone, singen Lieder zur leicht verstimmten Gitarre und treffen die Töne nicht immer, während sie Flyer verteilen auf denen Sätze stehen wie “Kehre um von deinen Sünden!”; kurz: die richtig peinlich sind.
Auf der anderen Seite jemand, der mit dem Glauben absolut nichts zu tun hat, der vielleicht denkt “Wer will, kann ja glauben, solange er mir damit nicht auf die Nerven geht” oder der von Religionsfreiheit eine vage Vorstellung hat wie “religionsfrei muss so ähnlich sein wie keimfrei”, also sollte man die Religion komplett aus dem öffentlichen Leben ins stille Kämmerlein verbannen.
Jetzt kommt der Missionierende auf den zu Missionierenden zu und fängt an, ihm seine Sünden vorzuhalten, ganz nach dem Motto “Dein ganzes bisheriges Leben war schlecht”, versucht, ihm mit der Holzhammermethode klarzumachen, dass er sich ändern muss, weil er sonst verloren ist und unbedingt in eine bestimmte Gemeinde/Kirche/Veranstaltung gehen muss, wenn etwas aus ihm werden soll. Was wird der Nichtchrist dann wohl denken?
Andererseits hat der Christ auch ein bestimmtes Bild von Mission und Sendung im Kopf: Er muss die Ungläubigen vor der Verdammnis retten, sonst sind sie auf ewig verloren! Also muss er mit Nichtchristen als allererstes über den Glauben reden und sie zu überzeugen versuchen, dass sie sich bekehren müssen, alles andere wäre verlorene Zeit.

Ich glaube nicht, dass Jesus, als er sagte “Geht hinaus in die Welt und macht zu Jüngern alle Völker” gemeint hat “Geht zu wildfremden Menschen, die möglichst noch eine andere Kultur und somit ein ganz anderes Weltbild und Verständnis haben, erzählt ihnen, dass sie sich euch anpassen müssen, koste es was es wolle, dass sie bisher alles falsch gemacht haben; ihr müsst sie nicht verstehen und wenn ihr andauernd in Fettnäpfchen tretet macht das auch nichts, wichtig ist nur, dass sie erfahren, was sie zu tun und zu glauben haben.” Es wäre sinnvoller, wenn man zuerst einmal versucht, den Anderen kennen zu lernen, ihn zu verstehen, und das, was er sagt, auch erst einmal stehen lässt, ohne zu sagen, dass das alles falsch ist, kurz:  seine Meinung toleriert. Im Gegenzug heißt das aber nicht, dass man die eigenen Ansichten hinterm Berg halten und immer nur nicken soll. Einfach zu sagen, “Du glaubst das und ich glaube das nicht, ich glaube das Andere”, ist vielleicht ein guter Ansatzpunkt, um wirklich mit jemandem über den Glauben reden zu können.

Toleranz – Definition

Schon seit Monaten versuche ich, das, was ich zu diesem Thema sagen will, in einem einzigen Text zusammenzufassen, aber das ist wohl unmöglich. Deswegen kommen jetzt mehrere Beiträge zum Thema, obwohl ich eigentlich keine Blogserien schreiben will. Vielleicht höre ich auch schon nach dem zweiten Beitrag auf.

 Zuerst einmal zwei Definitionen von Toleranz bei Meyer und bei Wikipedia.

Kurz und einfach gesagt, bedeutet Toleranz also, dass man jemanden, der eine andere Meinung hat als man selbst, diese Meinung haben lässt, selbst wenn man sie für vollkommen schwachsinnig hält.

Und genau da fangen die Probleme an. Wenn jemand intolerant ist, sagen wir, er hackt solange auf Menschen mit anderer Meinung herum, bis die klein beigeben, muss ich das dann tolerieren? Oder, wenn ich ihm mal deutlich meine eigene Meinung sage, auch zu seinem Verhalten, bin ich dann nicht selbst intolerant? Oder kann man es überhaupt noch tolerant nennen, wenn man zusieht wie dieser Jemand alle in seiner Umgebung mit seiner Meinung terrorisiert, oder verschließt man dann nicht einfach nur seine Augen vor dem ganzen Problem?

Ich finde, man muss da ganz deutlich unterscheiden zwischen dem, was jemand denkt, und dem, was jemand tut. Wenn jemand anders denkt als ich, kann ich mit ihm sehr interessante Diskussionen führen, auch ohne dass einer versucht, den anderen gleich zu überzeugen. Wenn sich aber jemand völlig daneben benimmt, dann bringt es nichts, einfach nur zuzusehen. Gerade dann muss man etwas sagen, vielleicht weiß der Mensch ja nicht, wie das, was er tut, von anderen gesehen wird. Aber auch da gibt es unterschiedliche Fälle. Manchmal muss man jemanden einfach machen lassen, wenn er sich stur stellt, und sonst keine größeren Probleme entstehen.

Fazit:
Es geht um Menschen, die anders sind als andere Menschen. Es geht aber auch darum, Kritik verteilen und annehmen zu können. Es geht vielleicht gerade darum, sagen zu können: Mach, was du willst, aber erwarte nicht, dass ich auch immer gut finde, was du machst. Es geht vielleicht auch darum, souverän genug zu sein, das, was man macht und denkt nicht von der Meinung anderer abhängig zu machen. Es geht darum, wie wir anderen Menschen begegnen, von Mensch zu Mensch.

wie weit würdest du gehen?

wie weit
würdest du für deinen glauben gehen?
wie weit über felsige berge
der weg nur ein trampelpfad
und du barfuss bist?
wie weit in fremde länder
wenn du in deinem eigenen nicht glauben darfst
und rückkehr unmöglich ist?
wie weit unter fremde völker
und feindselige gegner
um ihnen zu erzählen…?
wie weit würdest du für deinen glauben gehen?
wo würdest du stehen bleiben?

sekundenkleber

sekundenkleber
nützlich, doch zwecklos für ein
zerbrochenes herz

beziehungsweise

gebrochenes herz
das kittet nicht einmal mehr
sekundenkleber

(ich konnte mich für keine variante entscheiden…)

Eigentlich erstaunlich, was man alles kleben kann: Ich hab mit flüssigem Uhu sogar den Reißverschluss von meinem Rucksack repariert. Nur gibt es auch einiges, was man absolut nicht mehr kleben kann… und gerade das sind eigentlich die wichtigen Dinge im Leben… ein Glück, dass Gott heilt

was man echt nicht sagen kann

Ich hab das Pferd von hinten aufgezäumt… und das kam dabei raus:

Man kann nicht sagen, dass Gebete nicht in Erfüllung gehen, weil man nicht genug gebetet hat. Manchmal betet man nur für eine Sache, und sie trifft nicht ein, oder, noch schlimmer, das Gegenteil trifft ein. Gott ist keine Maschine, in die man ein Gebet einwirft und unten kommt das raus, was man gerne hätte. Das ist zu einfach. Vielleicht will man irgendwas, was Gottes Plan entgegensteht… oder Gott hat etwas viel besseres vor… oder was auch immer; warum soll man das immer erklären können? Gott ist Gott. Nicht umsonst beten wir im Vaterunser “Dein Wille geschehe”.

Man kann nicht sagen, dass Unglück eine Strafe für Sünde ist. Warum leben dann Übeltäter in Saus und Braus und fromme Menschen leiden Not? Warum trifft es manche ganz hart und andere dagegen gar nicht, obwohl sie sich kaum anders verhalten haben? Für Unglück kann man nix. Es geschieht einfach. Okay, wenn man sich leichtsinnig verhält, braucht man sich auch nicht wundern, wenn irgendwas passiert. Aber selbst wenn man sich in alle Richtungen abgesichert hat, kann immer noch was passieren.

die Welt, das Leben und alle Anderen

Manchmal, wenn ich irgendwo unterwegs bin, wo viele Menschen unterwegs sind, stell ich mir vor, wie die anderen wohl leben und was sie gerade denken. Während ich zum Beispiel im Bus sitze und mir überlege, was die Frau zwei Sitze vor mir wohl denkt, denkt sie ans Mittagessen oder an ihre Kinder. Gleichzeitig streitet sich ein Pärchen im Haus, an dem wir gerade vorbeifahren, während im Haus gegenüber ein alter Mann Zeitung liest, während irgendwo jemand träumend aus dem Fenster sieht und irgendwo anders jemand sich beeilen muss damit er noch den Bus kriegt in dem ich grad sitze. Im selben Moment läuft in Stuttgart jemand über die Königsstraße und freut sich über seinen freien Tag während jemand anderes im Büro alle paar Minuten sehnsüchtig auf die Uhr sieht und die Mittagspause herbeisehnt. Währenddessen steht jemand im Supermarkt und ärgert sich, dass es nur noch fleckige Bananen gibt, während paar Meter weiter ein paar Schulkinder eine Tafel Schokolade klauen. Im selben Moment gibt es im weißen Haus eine geheime Sitzung, bei der über das Schicksal vieler arabischer Menschen entschieden werden soll, während in einem Balkanstaat ein Skandal um korrupte Regierungsmitglieder aufgedeckt wird während sich jemand in London verirrt…
oder so…
da wird man ganz wirr im Kopf, wenn man mal genauer drüber nachdenkt. Wenn ich dann denk, dass Gott immer überall bei jedem den Durchblick hat… ist das fast schon ein kleines Wunder.

Stille Zeit und die Kulturrevolution

Du fragst dich jetzt wahrscheinlich, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ich bin bei meiner GFS-Vorbereitung ins Grübeln gekommen, als ich solche Sätze gelesen hab:

“Studiert die Werke des Vorsitzenden Mao Zedong, hört auf seine Worte und handelt nach seinen Weisungen!”

oder:

“Lin Biao rät der Bevölkerung, eindelne Zitate “auswendig zu lernen, sie wiederholt zu studieren und wiederholt anzuwenden”, dann würden sie “zu einem unversieglichen Kraftquell und zu einer geistigen Atombombe von unermeßlicher Macht”.”

Was machen also die Chinesen, wenn sie sowas hören? Jeder von ihnen kauft sich ein “Rotes Buch”, wo diese ganzen Zitate und Sprüche drinstehen, trägt es immer mit sich rum, jeden Morgen treffen sich die Chinesen zum gemeinsamen Lesen im Roten Buch, in ihrer Freizeit am Tag lesen sie darin und Abends noch einmal in der Gruppe. (Jedenfalls war das so während und direkt nach der Kulturrevolution, heute ist Mao Geschichte)

Wir Christen dagegen haben Sätze wie:

“Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.”Mt 7,24 + 25
“Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.” Mt 24,35

“Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.” Joh 15,7

(nur mal so als Auswahl)

Und was machen wir Christen? Wer von uns trägt seine Bibel immer in der Tasche? Wer liest wirklich jeden Tag in der Bibel? Wie oft treffen wir uns, um gemeinsam in der Bibel zu lesen? Wie viele Bibelsprüche können wir auswendig?

Ehrlichkeit

Das ist ein Thema, das mir schon länger wichtig ist und wo ich schon länger drüber nachdenk. Mir geht es dabei nicht nur darum, einfach nicht zu lügen. Wobei das manchmal gar nicht so einfach ist. Ich glaub, Ehrlichkeit ist mehr, als immer nur die Wahrheit sagen. Vielleicht müsste man sich erst einmal klar darüber werden, ob man überhaupt ehrlich zu sich selbst ist? Ich mein, ich seh die Welt, wie ich sie seh, aber seh ich sie auch so, wie sie wirklich IST? Und wenn ich nicht ehrlich zu mir selber bin, wenn ich mir irgendwas vormach oder so, kann ich dann überhaupt ehrlich zu anderen sein? Bevor ich von anderen einfordere, dass sie zu mir ehrlich sind, sollte ich doch auch erst mal ehrlich sein… und was bringts, wenn man nicht ehrlich zueinander ist? Dann kann man sagen, was man will, das Gespräch ist sowieso für den Müll, finde ich.

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