Nachdem der DoSi einen Aufruf von Rick Meigs zum SynchroBlog weitergegeben hat und auch selbst einen Beitrag dazu schreibt, nehme ich das einfach mal als Aufhänger meine eigenen, unqualifizierten Gedanken weiterzuverbreiten. Dabei will ich jetzt weniger auf die ursprüngliche Frage – was ist missional? – eingehen (weil ich davon sowieso nicht genug Ahnung habe), sondern das Pferd von hinten aufzäumen und ein paar Gedanken dazu loswerden, was missional (hoffentlich) nicht ist.
(WARNUNG! Könnte Polemik enthalten!)
Wenn von Mission die Rede ist, denken die Meisten immer noch an jemanden, der nach Afrika in den Busch geht, wo irgendwelchen unzivilisierten Buschleuten der Glaube und die Kultur gebracht werden muss. Da stellen sich viele natürlich die Frage: Wofür brauchen wir heute noch Missionare? Die Welt ist global vernetzt, wer sich für eine bestimmte Idee interessiert, kann sich frei informieren; und die westliche Einheitsbreikultur hat sich sowieso schon viel zu weit verbreitet, da muss man doch schützen, was es an lokaler Kultur noch gibt. Außerdem hat dieser Gedanke von dem Weißen, der zu den Schwarzen geht um ihnen zu zeigen “wie man es richtig macht” sehr viel von Imperialismus und Kolonien – kann man die armen Afrikaner denn nicht endlich in Ruhe lassen?
Noch schlimmer die Mission im eigenen Land: Irgendwelche Typen, die modisch mindestens ein, zwei Jahre zurück sind, stehen in der Fußgängerzone, singen Lieder zur leicht verstimmten Gitarre und treffen die Töne nicht immer, während sie Flyer verteilen auf denen Sätze stehen wie “Kehre um von deinen Sünden!”; kurz: die richtig peinlich sind.
Auf der anderen Seite jemand, der mit dem Glauben absolut nichts zu tun hat, der vielleicht denkt “Wer will, kann ja glauben, solange er mir damit nicht auf die Nerven geht” oder der von Religionsfreiheit eine vage Vorstellung hat wie “religionsfrei muss so ähnlich sein wie keimfrei”, also sollte man die Religion komplett aus dem öffentlichen Leben ins stille Kämmerlein verbannen.
Jetzt kommt der Missionierende auf den zu Missionierenden zu und fängt an, ihm seine Sünden vorzuhalten, ganz nach dem Motto “Dein ganzes bisheriges Leben war schlecht”, versucht, ihm mit der Holzhammermethode klarzumachen, dass er sich ändern muss, weil er sonst verloren ist und unbedingt in eine bestimmte Gemeinde/Kirche/Veranstaltung gehen muss, wenn etwas aus ihm werden soll. Was wird der Nichtchrist dann wohl denken?
Andererseits hat der Christ auch ein bestimmtes Bild von Mission und Sendung im Kopf: Er muss die Ungläubigen vor der Verdammnis retten, sonst sind sie auf ewig verloren! Also muss er mit Nichtchristen als allererstes über den Glauben reden und sie zu überzeugen versuchen, dass sie sich bekehren müssen, alles andere wäre verlorene Zeit.
Ich glaube nicht, dass Jesus, als er sagte “Geht hinaus in die Welt und macht zu Jüngern alle Völker” gemeint hat “Geht zu wildfremden Menschen, die möglichst noch eine andere Kultur und somit ein ganz anderes Weltbild und Verständnis haben, erzählt ihnen, dass sie sich euch anpassen müssen, koste es was es wolle, dass sie bisher alles falsch gemacht haben; ihr müsst sie nicht verstehen und wenn ihr andauernd in Fettnäpfchen tretet macht das auch nichts, wichtig ist nur, dass sie erfahren, was sie zu tun und zu glauben haben.” Es wäre sinnvoller, wenn man zuerst einmal versucht, den Anderen kennen zu lernen, ihn zu verstehen, und das, was er sagt, auch erst einmal stehen lässt, ohne zu sagen, dass das alles falsch ist, kurz: seine Meinung toleriert. Im Gegenzug heißt das aber nicht, dass man die eigenen Ansichten hinterm Berg halten und immer nur nicken soll. Einfach zu sagen, “Du glaubst das und ich glaube das nicht, ich glaube das Andere”, ist vielleicht ein guter Ansatzpunkt, um wirklich mit jemandem über den Glauben reden zu können.